Drei Kaiserschnitte – warum die Zeit danach oft schwerer ist als die Geburt

Ich wollte keinen Kaiserschnitt.

Und trotzdem habe ich drei davon erlebt.

Ich wollte vaginal gebären.

Beim ersten Mal habe ich 30 Stunden lang alles gegeben.

Wehen. Hoffnung. Durchhalten. Vertrauen.

Am Ende hieß es: Geburtsstillstand. Kaiserschnitt.

Medizinisch war alles „gut“.

Aber in mir blieb ein Gedanke hängen, der mich jahrelang begleiten sollte:

„Das war nicht richtig geboren.“

Ich habe ihn niemandem gesagt.

Ich habe ihn mir selbst kaum erlaubt.

Aber er war da – leise, hartnäckig.

Beim zweiten Mal war ich vorbereitet.

Nur auf das Falsche.

Ich hatte mich vorbereitet.

Auf eine vaginale Geburt.

Auf alles, was diesmal anders werden sollte.

Was ich nicht vorbereitet hatte, war ein erneuter Kaiserschnitt.

Als es wieder dazu kam, war die Enttäuschung größer als beim ersten Mal.

Nicht, weil ich es nicht erwartet hätte –

sondern weil sich dieser alte Gedanke festsetzte:

„Schon wieder nicht richtig geboren.“

Ab da begannen die Selbstzweifel.

Nicht laut. Nicht dramatisch.

Eher so, dass sie sich in meinen Körper schlichen.

Ich begann mehr Sport zu machen.

Erst moderat. Dann intensiver.

Vielleicht, um mir selbst zu beweisen,

dass ich doch etwas kann.

Dass mein Körper doch leistungsfähig ist.

Dass ich nicht „versagt“ habe.

Drei Jahre nach dem zweiten Kaiserschnitt begann mein Hindernislauf-Wahnsinn.

Leistung sieht manchmal aus wie Heilung.

Ist sie aber nicht.

Am Anfang war ich nicht besonders fit.

Das änderte sich schnell.

Nach zwei Jahren war ich bei Wettkämpfen fast immer unter den ersten Zehn.

Ich stand auf Podesten.

Ich wurde beklatscht.

Ich gewann Läufe.

Und spürte: nichts.

Keine Freude.

Kein Stolz.

Keine innere Bewegung.

Nur Leere.

Ich funktionierte perfekt.

Aber innerlich kam nichts an.

Dann kam die Eileiterschwangerschaft.

Und mein Körper schrie.

Mitten in der Nacht wurde ich von extremen Schmerzen geweckt.

Mein Eileiter war gerissen.

Ich verlor mehrfach das Bewusstsein.

Not-OP.

Zum ersten Mal erlebte ich Ärzte,

für die ich keine Geschichte hatte,

keinen Namen,

keine Würde.

Ich war eine Nummer.

Ein Fall.

Ein Lehrbeispiel für Studenten.

Etwas in mir zog sich damals zusammen.

Ich konnte es nicht benennen.

Aber ich spürte:

Hier ist etwas gekippt.

Danach wurde der Sport radikal.

Ich stürzte mich noch mehr in Leistung.

Noch härter.

Noch strukturierter.

Ich gewann weiter.

Ich stand weiter oben.

Ich bekam weiter Applaus.

Und blieb leer.

Rückblickend weiß ich:

Ich habe nicht trainiert, um stark zu sein.

Ich habe trainiert, um nichts zu fühlen.

Der dritte Kaiserschnitt.

Und das Trauma, das ich nicht erkannte.

Beim dritten Kaiserschnitt verließ ich das Krankenhaus

mit einem Trauma – ohne es zu wissen.

Im OP war ich vollkommen ausgeliefert.

Sechs Mal wurde ich für die PDA gestochen.

Ich wurde angeschnauzt.

Niemand durfte mit in den OP.

Es wurde einfach gemacht.

Ich habe funktioniert.

Ich habe durchgehalten.

Ich habe das Krankenhaus verlassen.

Und dachte: „Ist halt so.“

Kurz danach begannen die Panikattacken.

Ich wusste nicht, was sie waren.

Ich dachte, ich spinne.

Auswandern mit einem Trauma im Gepäck

Wir wanderten aus.

Und plötzlich brach alles auf.

Weinanfälle.

Panikattacken.

Depressive Phasen.

Ich verstand mich selbst nicht mehr.

Ich war doch stark.

Ich hatte doch alles geschafft.

Warum jetzt das?

Der Moment, in dem ich begann zu verstehen

Ich begann zu lesen.

Zu recherchieren.

Zu suchen.

Nicht nach „Erfolg“.

Sondern nach Worten für das, was ich fühlte.

Ich erkannte langsam:

Es war kein einzelnes Ereignis.

Es war nicht integrierte Erfahrung.

Geburten, die ich nie innerlich abschließen konnte.

Ohnmacht, die keinen Raum bekommen hatte.

Ein Körper, der alles getragen hatte –

und eine Identität, die nie nachkommen durfte.

Warum ich heute darüber schreibe

Ich schreibe das nicht,

weil ich „fertig“ bin.

Ich schreibe es,

weil ich weiß, wie viele Frauen

6–12 Monate nach einem Kaiserschnitt

genau so leben:

Funktionierend.

Leistungsfähig.

Und innerlich nicht ganz da.

Du musst kein Trauma benennen.

Du musst nichts diagnostizieren.

Es reicht, wenn du spürst:

„Irgendwas stimmt noch nicht.“

Wenn du dich hier wiedererkennst

Dann bist du nicht falsch.

Nicht schwach.

Nicht undankbar.

Dann bist du eine Frau,

deren Geschichte Raum braucht.

Und genau dafür habe ich begonnen zu schreiben.

Und genau daraus ist mein Projekt entstanden.

Ich begleite Mamas 6–12 Monate nach Kaiserschnitt

bei Verarbeitung, Würde & innerem Ankommen.

Diesen Raum nenne ich Talunia.

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